Gatka ist die waffenbasierte Kampfkunst der indischen Sikhs und kann sowohl als Ritual als auch als Sport betrieben werden. Die korrekte Verwendung verschiedener Nahkampfwaffen ist von zentraler Bedeutung. Hauptwaffe beim Gatka ist das Schwert, andere Waffen können Krummschwert, Dolch, Pfeil und Bogen oder Langstock sein. Der Hauptaspekt des Übens liegt in der Koordination der beiden Körperhälften, weshalb beim Training oft in beiden Händen ein Gegenstand gehalten wird.
Gatka Yoga zählt nicht zu den typischen, bekannten Yogarten, die im Westen mit zunehmender Popularität betrieben werden, bei denen es hauptsächlich auf statische Übungen und Atemkontrolle ankommt. Gatka Yoga ist eine in westlichen Ländern eher unbekannte Kampfkunst, welche durch die Sikhs in Nordindien entwickelt wurde.
Die Sikhs waren vornehmlich Bauern und mussten sich gegen die jeweiligen Herrscher oftmals verteidigen. Für die Entwicklung ihrer Kampfkunst nutzten sie überwiegend Gegenstände ihres täglichen Gebrauchs wie Stöcke, Klingenwaffen und Speere. Diese Waffen werden beim Training heute berücksichtigt. Wie bei vielen asiatischen Kampfkünsten wird auch beim Gatka Yoga eine Einheit zwischen Körper und Geist angestrebt und so wird das reine Techniktraining durch Übungen für das Gleichgewicht, die Atmung, Rhythmusübungen und Atemübungen abgerundet. Als Besonderheit gilt, dass nicht nur einseitig trainiert wird, denn gewöhnliche Rechtshänder werden auch auf Ausführung mit der linken Seite geschult. Umgekehrt gilt natürlich das gleiche. Beide Körperhälften werden harmonisch trainiert.
Begonnen wird mit den „Pentra“-Übungen, ohne Waffen. Die Schüler lernen dabei Balance und Koordination und die Fähigkeit Hände und Füße auf geschickte Art und Weise gleichzeitig zu gebrauchen. Nachdem diese Basis-Übungen jeden Tag absolviert werden, geht man ins „Stock“-Pentra über, wobei man den Stock abwechselnd mit der linken und rechten Hand hält. Bei „Maroara“ wird der Stock beidhändig geschwungen und versucht Kopf und Hals des Gegners zu treffen. Eine Spezialität im Gatka ist der Gebrauch von zwei Waffen gleichzeitig, dem „Doppel Stock Pentra“. Eine Verbindung der genannten Techniken stellt der „Tanz mit dem Schwert“ dar. Das Ziel ist jederzeit jeden Punkt angreifen zu können und sich dabei mit einer Schutzhülle zu umgeben. Die Anzahl der verwendbaren Waffen ist groß. Außer dem Stock gibt es noch Säbel, Dolch, Schwert, der lange Holzstock (mit und ohne Bällen), Speer, Schild, Bogen und Pfeil, Wurfring, Streitaxt und den Streitkolben. Gatka wird in Intensivlehrgängen in Workshops und Camps angeboten, sowie in Kursen, die einmal in der Woche stattfinden. Gatka kann jeder lernen. Von autodidaktischem Lernen ist jedoch abzuraten. Die Basis-Übungen des Pentra, sobald man sie kann, sollten täglich geübt werden. Der Schwerpunkt der Bewegungen im Gatka Yoga liegt auf kreisenden, fließenden aber einfachen Bewegungen, die später kombiniert werden und erinnert oftmals an Bewegungen aus Tänzen. Ausholende Hiebbewegungen werden ebenso trainiert wie Stichbewegungen. Die Abwehr erfolgt mit der eigenen Waffe oder mit einem Schild. Die Techniken des Gatka Yoga werden teilweise noch heute beim indischen Militär geübt und gelten daher er als praxiserprobt und sehr effektiv. Spezielle Techniken sind auf die Verteidigung gegen mehrere Angreifer ausgerichtet und schützen dabei während der Bewegung den eigenen Körper. Für aussichtslose Situationen wird eine bestimmte Fluchttechnik angewendet, die Prinzipien der Raumaufteilung und -nutzung verbindet und so einen unbeschadeten Rückzug ermöglicht.
Die geringe Popularität der Kampfkunst Gatka Yoga im Westen hat natürlich zur Folge, dass es schwierig ist, ein breitflächiges Angebot in Deutschland zu finden. Überwiegend finden Einweisungen und Demonstrationen während speziellen Seminaren oder Camps der International Gatka Federation statt. Für Interessierte ist es möglicherweise sinnvoll, schon etwas Erfahrung im Bereich Kampfsport zu haben, um das Gesehene besser umsetzen und verarbeiten zu können. Da mit Waffen trainiert wird, ist ein entsprechendes Einstiegsalter sinnvoll, um verantwortungsbewusst mit Trainingsgeräten umzugehen. Ein Selbsttraining ist aufgrund fehlender Anleitungen fast ausgeschlossen und kann in Beziehung auf Waffen auch nicht empfohlen werden.