Die japanische Kampfkunst Jiu Jitsu greift auf eine lange Tradition der waffenlosen Selbstverteidigung zurück. Jiu Jitsu bedeutet etwa „sanfte Kunst“ und funktioniert nach dem Prinzip den Gegner durch Nachgeben zu besiegen und einen Kampf so möglichst schnell zu beenden. Ihre Anfänge können nicht klar datiert werden, da sich viele Mythen und Erzählungen um die Entstehungsgeschichte ranken und bedauerlicherweise nur wenige Aufzeichnungen zu dieser Thematik existieren.
Es ist anzunehmen, dass sich die Ursprünge des Jiu Jitsu in der indischen Massagekunst wiederfinden lassen. Über China sollen diese Künste dann im 17. Jahrhundert nach Japan gelangt seien. Vermutlich wurde ein japanischer Arzt auf einer Studienreise in mehreren Klöstern über diese Form des Nahkampfes ohne Anwendung von Waffen unterrichtet und gab dann sein Wissen an seine Schüler weiter. Daneben gibt es andere Theorien, die von Ursprüngen aus China ausgehen.
Fest steht jedoch, dass sich Jiu Jitsu schnell als ergänzende Kampfkunst der Samurai etablierte und als eine Pflicht in ihren Ehrenkodex einging.
Die Vollkommenheit des Jiu Jitsu ist vor allem auf die vielen japanischen Schulen zurückzuführen, die ihrer Kampfkunst immer einen eigen Namen verliehen. Neben diesen anderen Kampfarten, die dem Jiu Jitsu alle sehr stark ähnelten, war Jiu Jitsu am bekanntesten und hatte am meisten Anhänger und wurde so mit der Zeit auch in Europa und schließlich auch Deutschland bekannt. Erste Verbindungen gab es zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Aufgrund der zahlreichen und intensiven Handelsbeziehungen zwischen Japan und dem Deutschen Reich wanderten immer mehr Japaner nach Deutschland aus und brachten ihre Fertigkeiten mit.
Der aus Berlin stammende Erich Rahn begeisterte sich schon früh für asiatische Kampfkünste, erlernte die Techniken des Jiu Jitsu und eröffnete 1906 im Alter von 21 Jahren die erste deutsche Jiu Jitsu-Schule. Um seine Schule einem breiten Publikum bekannt zu machen, unternahm er mehrere Touren durch Deutschland und vermittelte so vielen neue Eindrücke. Bald eröffneten weitere Clubs und Schulen.
Ab 1945 musste die Ausübung des Jiu Jitsu jedoch wegen eines Verbotes der Alliierten ausgesetzt werden. In den 50er Jahren wurde es jedoch wieder aufgehoben. Mittlerweile hat das klassische Jiu Jitsu eine Veränderung durchgemacht. Wie viele Kampfsportarten wurden auch seine Techniken modernisiert und „alltagstauglicher“ gemacht.