Beim Kalarippayat handelt es sich um eine indische Kampfkunst, die wohl zuerst in der indischen Region Kerala entstand. Das Wort "Kalarippayat" stammt aus der Sprache Malayalam und bedeutet "Kampfplatzübung". Heute wird die Kampfsportart vor allem noch im Süden des indischen Subkontinents ausgeübt.
Als gesichert gilt, dass die Kampfkunst auf das Verhalten von Kriegsführern im alten Indien zurückgeht, deren Ziel es war, ein übermäßiges Blutvergießen in ihren Armeen zu vermeiden. Aus diesem Grund bürgerte sich der Brauch ein, zwei ausgebildete Kalarppayat- Kämpfer gegeneinander antreten zu lassen, die anstelle ihrer Herrscher und deren Armeen den Kampf austrugen. Dieser war in der Regel ein Duell, in dem es um Leben und Tod ging. Diese Kalarppayat- Krieger kamen dabei aus der Leibgarde des Maharajas, für die nur Elite- Soldaten ausgewählt wurden. Außerdem mussten sie aus der matriarchalisch geprägten Gesellschaft der Nair stammen. Sie genossen hohes Ansehen und wurden als besonders furchtlos angesehen. Während der britischen Eroberung Indiens und der Umwandlung in eine britische Kolonie kämpften einige von ihnen erfolgreich gegen die fremde Großmacht.
Im Gegensatz zu vielen anderen Kampftechniken gilt das Kalarippayat als eine typisch indische Kampfkunst, die keinerlei Einflüsse von außen erlebt hat. Dafür spricht zum einen, dass sie Bewegungsabläufe verwendet, die denen im klassischen indischen Tanz verwandt sind. Außerdem wurde und wird die Kampfkunst vor allem in ländlichen Gebieten praktiziert, die seit jeher praktisch unberührt von fremden Einflüssen bleiben. Nach alter Tradition ist ein Meister im Kalarippayat, der diese Technik auch an seine Schüler weitergibt, meist gleichzeitig der Arzt seines Dorfes. Diese Ärzte genießen hohes Ansehen für ihre Künste in der klassichen indischen Heilkunst Ayurveda sowie der Behandlung von Stauchungen, Quetschungen und Knochenbrüchen.
Mit dem Einmarsch der Briten wurde die Kampftechnik Kalarippayat verboten, um den Widerstand der ländlichen Bevölkerung zu brechen. Dieses Verbot wurde jedoch zu keinem Zeitpunkt vollständig eingehalten, und so übten verschiedene Schulen das Kalarippayat im Geheimen weiter aus. Seit dem Jahr 1947 ist das Verbot wieder aufgehoben, und so darf die Kampfkunst heute wieder offen praktiziert werden. Dabei haben sich im indischen Süden zwei Stilrichtungen herausgebildet, die zu zwei unterschiedlichen ethnischen Gruppen gehören. Teilweise existieren jedoch auch Mischungen dieser beiden Stile.