Geschichtliche des Wasserboxens

Wasserboxen zählt zu den inneren Kampfkünsten. "Innere" steht zum einen dafür, dass die Kunst nur Schülern eines inneren Kreises gelehrt wurde. Zum anderen trainiert man das Innere des Körpers und nicht die äußere Muskelkraft, da die Energie (Qi, Ki) die Bewegungen antreibt. Die Energie, das ist die von außen unsichtbare Vorstellungskraft, welche eine bedeutende Rolle spielt.

Innere Kampfkünste gehören zu den unbestreitbarsten Kampfkünsten weltweit, da man einem Meister dieser Kampfkunst seine Fähigkeiten nicht ansieht. Das ein kleiner, alter chinesischer Gelehrter mit einer kleinen Handbewegung einen Ziegelstein zertrümmert - das ist schwer vorstellbar und doch hat man schon oft davon gehört. Die Meister der Inneren Kampfkünste handeln nicht primär mit ihrer Muskelkraft, sondern nutzen ihren Körper und Geist optimal. Das ist der Vorteil der Inneren Kampfkünste - da die Muskelkräfte eine untergeordnete Rolle spielen, kann die Kunst auch im fortgeschrittenen Alter noch erlernt werden. Zudem beruhigt sie den Geist.

Das Wasserboxen, unter Fachleuten auch Liuhe Bafa genannt, bedeutet "Die Macht des Wassers", da die drei Aggregatzustände des Wassers Vorbild für die Übungen sind. Dabei symbolisiert das harte Eis die harten Bewegungen des Xingyiquan, das flüssige Wasser die fließenden Bewegungen des Tai Chi und der Wasserdampf die undurchschaubaren Bewegungen des Baquazhang.

Viele chinesische Kampfkünste sind mittlerweile im westlichen Teil der Welt verbreitet, doch Liuhe Bafa ist mit großer Wahrscheinlichkeit die jüngste, die den Westen erreichte, doch die älteste chinesische Kampfkunst überhaupt. Man datiert die Kunst in das China des 10. Jahrhunderts. Der daoistische Philosoph und Mathematiker Chen Hsi I lebte vermutlich 871 bis 989 n. Chr. und gilt als Schöpfer dieses Stils. Übermittlungen zufolge entwickelte er in seiner abgelegenen Einsiedelei die Grundsätze und Praktiken des Wasserboxens, auf dem Berg Hwa in Nord-Zentral-China.

Das Wasserboxen ist von allen chinesischen Kampfkünsten diejenige, welche mit daoistischer metaphysischer Symbolik am stärksten verschlüsselt ist. Begründet wird dies im Schutz der begehrten alten Anweisungen für innere Alchemie und Unsterblichkeit. Daraus resultiert, dass die daoistischen Konzepte und die symbolische Sprache der inneren Alchemie viel älter sind.

Die Kunst des sogenannten Wasserboxens wurde für viele Jahrhunderte geheim gehalten und nur an wenige Eingeweihte weitergegeben. Von daher gibt es weltweit nur sehr wenige Lehrer, die ihr Wissen um diese Kampfkunst weitergaben bzw. -geben. Selbst die Weitergabe erfolgte in einer verschleierten Sprache aus facettenreichen Metaphern. Hat man diese einmal entschlüsselt, kann man erlernen, seine inneren Energien zu transformieren.

Copyright © 2012, Jodell - Kampfsport-Portal. All Rights Reserved.