Tonbeiquan (chinesischer Name: 通臂拳) gehört zu den chinesischen Inneren Kampfkünsten. Wie bei vielen anderen Inneren Kampfkünsten auch, lässt sich hier der Ursprung nicht ganz genau bestimmen. Der Wortteil Tong heißt frei übersetzt durchgängig, offen, oder auch: etwas verbinden oder beherrschen. Der Wortteil Bei heißt übersetzt Schulter oder Rücken. Somit heißt die geläufige freie Übersetzung: Öffnen der Schulter oder des Rückens bzw. verbinden, oder sich aus dem Rücken öffnende Kraft.
Neben einer Legende nach der das Tonbeiquan im frühen Zeitalter der chinesischen Kultur entstand, wird auch Chen Tuan (auch Chen Xiyi oder Fu Yaozi), ein Daoist, welcher im 10. Jahrhundert am Hua Shan lebte, als Begründer des Tonbeiquan genannt. Auch wenn der Legende nach die Wurzeln des Tonbeiquan 1000 Jahre weit zurückreichen, so wurde es doch erst Anfang des 19. Jahrhunderts wirklich bekannt durch Lu Yunqing und dessen Schüler Qi Xian. Tonbeiquan zählt zu den ältesten bekannten Inneren Kampfkünsten, denn historischen Quellen zufolge war Tonbeiquan bereits 1372 in Shanxi, einer chinesischen Provinz, eine verbreitete Kampftechnik. Chen Pu, der Begründer des Taijiquan Chen- Stils, soll ebenfalls Tonbeiquan gelernt haben und man kann erkennen, dass es Gemeinsamkeiten zwischen beiden Stilen gibt.
Die Lehre des Tonbeiquan erfolgt in drei Schritten:
1. Die Schlagtechniken: Tonbeiquan besteht aus 24 verschiedenen einfachen Schlägen (Dan Chao). Durch diese soll die Energie (Fa Jing) freigesetzt und die innere Energie (Nei Jing) geübt werden.
2. Die Schrittübungen (Xing Bu): Die Schrittfolgen werden zusätzlich zu den Schlagtechniken gelernt. In der ersten Phase gibt es nur wenige langsame Bewegungen. Der Fokus liegt hier auf dem korrekten Stand und dem Energiefluss. In der darauf folgenden zweiten Phase werden verschiedene Schritte kombiniert. Zum Schluss kombiniert man die erlernten Bewegungen zu einer fortlaufenden Folge von Attacken und Schlägen.
3. Die Tong Bei Formen: Zuerst übt man einige Serien von Ständen. Dadurch soll der Qi-Fluss harmonisiert und die Erdanziehungskraft zur Verwurzelung (Hüfte und Beine) benutzt werden. Die Energie und Intention (Yi) werden auf die Formen ausgerichtet. Im Kampf werden dann zum Schluss die Anwendungen jeder Stellung geübt. Zielsetzung aller Trainingsphasen ist es, alle Bewegungen natürlich und entspannt erscheinen zu lassen. Durch seine geraden Verläufe ähnelt Tonbeiquan in seiner Ausführung sehr stark der chinesischen Kampfkunst des Xingyiquan.