Kalarippayat oder auch Kalarippayattu genannt, bedeutet aus dem Malayam übersetzt "Kampfplatzübung". Diese alte indische Kampfkunst entstand im Südwesten des Landes und ist auch heute noch vor allem im Süden Indens verbreitet. Um das Blutvergießen bei ihren Kriegen möglichst gering zu halten, entwickelten altindische Kriegsführer diese Kampftechnik und ließen statt ihrer kompletten Armeen lediglich zwei Kalarippayat-Krieger auf Leben und Tod gegeneinander antreten. Deshalb geht man auch davon aus, dass es keinerlei Einflüsse aus anderen Traditionen oder Kulturen gab und gibt und Kalarippayat eine rein indische Kriegskunst ist.
Prinzipiell unterscheiden kann man einen nördlichen und einen südlichen Stil. Der nördliche Stil wird meist von den malayam sprechenden Volk der Nayar praktiziert. Die Übungen werden grundsätzlich in einem sogenannten Dorfkalari, Gebäuden mit einem Grundriss von vierzehn mal sieben Metern, abgehalten. Außerdem liegt der Boden dieses Gebäudes etwa einen Meter tiefer, als der Boden außerhalb. Dieses Kalari befindet sich im Besitz des Kalarippayat-Meisters und wird dient diesem gleichzeitig auch als Sprechstundenraum und Praxis. Die Übungen finden meist nachts statt, da der nördliche Stil auch heute noch so gut wie möglich geheim gehalten wird. Hohe Tritte und Sprünge, weite Ausfallschritte, tiefe Stellungen und Blöcke und Schläge mit fast ausgestreckten Armen sind die technischen Kennzeichen des nördlichen Stils. Zusätzlich werden Atemübungen praktiziert, die wohl aus dem Yoga übernommen wurden. Die Bewegungsabläufe selbst, werden Suvadus genannt.
Der südliche Stil ist vor allem bei den Tamilen sehr beliebt und kam vermutlich auch durch tamilische Einwanderer bis an die südlichste Spitze Indiens. Verglichen mit dem nördlichen Stil finden sich erhebliche Unterschiede. So werden die Übungen hier gewöhnlich ganz normal am hellen Tag durchgeführt, meist im freien, an einem schattigen Trainingsplatz im Dorf etwa. Auch die Bewegungsabläufe unterscheiden sich. So gibt es bei der südlichen Variante des Kalarippayat mehr kreisförmige Bewegungen, die Blöcke werden dabei mit offenen Händen und angewinkelten Armen ausgeführt. Trotzdem wirken die Bewegungen rauer als beim nördlichen Stil. Zudem gibt es weniger Sprünge. Statt dessen wird der Schwerpunkt auf eine feste Stellung und einen kräftigen Einsatz von Armen und Schultern gelegt.